30.10.2013

Die Bewertung von Sachspenden

Gemeinnützige Einrichtungen können Sachspenden häufig leichter erhalten als Geldspenden. Das gilt besonders für gebrauchte Gegenstände. Soll der Spender in den Genuss des Spendenabzugs kommen, muss der Empfänger aber eine Zuwendungsbestätigung ausstellen, die den Wert der Sachspende ausweist.

 

Sachspenden können alle Wirtschaftsgüter sein - mit Ausnahme von Nutzungen und Leistungen. Nicht dazu gehören deswegen Arbeitsleistungen, die bloß zeitweilige Überlassung von Wirtschaftgütern - von Anlagen ebenso wie Gebäuden und Räumen - oder sonstige wirtschaftliche Vorteile wie z.B. ein zinsloses Darlehen.
Wertermittlung

Der Spendenbetrag muss auf der Zuwendungsbescheinigung in Geld beziffert werden. Es muss also immer ein Bewertung des zugewendetet Wirtschaftsguts erfolgen. Dabei gelten ausschließlich steuerliche (also nicht etwa handelsrechtliche) Bewertungsvorschriften.

Die Höhe der Spenden bemisst sich

  • nach dem Entnahmewert, wenn die Spenden aus Betriebsvermögen stammt oder wahlweise nach dem Buchwert - jeweils zuzüglich der Umsatzsteuer
  • nach dem gemeinen Wert (Verkehrswert), wenn die Spende aus Privatvermögen kommt (§ 10b Abs. 3 EStG).


Spenden aus Betriebsvermögen

Stammt die Sachspende nach Angaben des Spenders aus seinem Betriebsvermögen, muss das gespendete Wirtschaftsgut mit dem Entnahmewert angesetzt werden. Der Entnahmewert ist grundsätzlich der sog. Teilwert. Das ist der Betrag, der beim Verkauf des ganzen Unternehmens auf das gespendete Wirtschaftsgut entfiele. Er kann nur durch Schätzung ermittel werden.

Die Herkunft aus Betriebsvermögen wird auf der Zuwendungsbescheinigung vermerkt (durch Ankreuzen des entsprechenden Merkmals). Ist unklar, ob die Spende aus Betriebsvermögen stammt, muss sie so bewertet werden, als stamme sie aus Privatvermögen.

Der Spendenempfänger muss bei einer Spende aus Betriebsvermögen nicht nachprüfen, ob das Wirtschaftsgut wirklich aus dem Betriebsvermögen stammt, sondern darf sich auf die Angabe des Spenders verlassen. Bei Kapitalgesellschaften geht schon aus dem Firmennamen hervor, dass die Spende aus Betriebsvermögen stammt.
Der Zuwendungsempfänger muss in diesem Fall keine zusätzlichen Unterlagen in seine Buchführung aufnehmen. Angaben über die Unterlagen, die zur Wertermittlung gedient haben, entfallen.
Auf der Spendenbescheinigung wird der Wert inklusive der Umsatzsteuer ausgewiesen.


Buchwertprivileg

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 EStG kann statt des Teilwerts der Buchwert zugrundegelegt werden. Der Buchwert ergibt sich aus den fortgeschrieben Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten des Wirtschaftgutes, also abzüglich der Abschreibungen - oder in Sonderfällen von Zuschreibungen, also einer bilanziellen Wertkorrektur nach oben.
Der Vorteil des Buchwertansatzes ist insbesondere, dass die Bewertung in der Regel problemlos anhand der Buchhaltungsunterlagen möglich ist und keine eventuellen stillen Reserven aufgedeckt werden müssen.
Sachspenden aus dem Privatvermögen

Die Bewertung von Sachspenden aus dem Privatvermögen richtet sich immer nach dem gemeinen Wert. Der Buchwert kann allenfalls als Orientierung dienen. Der gemeine Wert ist der Preis, der bei einer Veräußerung im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre - also der Verkehrswert oder Marktwert.


Die Bewertung in der Praxis

Die Bewertung der zugewendeten Gegenstände muss einzeln erfolgen (soweit es sich um unterschiedliche Gegenstände handelt). Eine pauschale Bewertung - also eine einheitliche Bewertung unterschiedlicher Güter unabhängig vom Alter und Neuwert - ist nicht zulässig. Auch die Bildung von Preisgruppen reicht nicht aus.

Die Bewertung muss immer Bestandteil der Zuwendungsbescheinigung sein. Eine nachträgliche Bescheinigung der fehlenden Angaben in einem formlosen Schreiben ist nicht ausreichend. Es muss dann eine geänderte Zuwendungsbestätigung erstellt werden (Oberfinanzdirektion Frankfurt, Schreiben vom 6.11.2003, AZ:S 2223 A - 22 - St II 2.06). Diese Unterlagen müssen zusammen mit einer Kopie der Zuwendungsbestätigung zu den Buchführungsunterlagen genommen werden.

Nebenkosten, die bei der Übergabe der Sachspenden anfallen (Transport- oder Versandkosten), gehören zum Spendenwert (Finanzgericht Münster, Urteil vom 8.3.2012, 2 K 2608/09 E). Das gilt z.B. auch für die Kosten eines Wertgutachtens.

Quelle: www.vereinsknowhow.de – Vereinsinfobrief Nr. 269 – Ausgabe 14/2013 – 19.10.2013

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